New Work, New Work: Wie sehen die Büros der Zukunft aus?

Die zunehmende Digitalisierung verändert nicht nur unseren Alltag, sie hat auch Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt. Wir sollten diesen Wandel als Chance begreifen. Gefragt sind attraktive, dabei möglichst flexible und individuell an die jeweilige Nutzung angepasste Bürokonzepte, die kommunikatives Arbeiten im Team ebenso wie konzentrierte Einzelarbeit erlauben. Neben formeller Kommunikation sollte dabei auch informelle Kommunikation ihren Raum haben.

Über die Autorin


Corinna Schwöbel, M.Sc. hat Architektur an der FH Dortmund studiert und ihren Master of Science an der HS Bochum im Fachbereich Architektur/ Projektentwicklung absolviert. Seit September 2016 ist sie bei assmann in den Leistungsbereichen Projektvorbereitung und Projektsteuerung tätig und dort unter anderem für die Erstellung und konzeptionelle Umsetzung von Bürokonzepten zuständig. Parallel dazu ist sie mit der VgV-Verfahrensbetreuung und mit der Leitung des Kompetenzfeldes „Freiberufliche Dienstleistungen und Wettbewerbe“ befasst.

Arbeiten während der Fahrt im IC? Von zuhause aus und mit dem Kind auf dem Arm? Oder gemütlich im Café sitzend? Alles möglich. Die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie bietet uns eine immer größere Freiheit bei der Organisation unseres Arbeitsalltages. Ein fester Schreibtisch mit festem PC ist zwar nach wie vor die Regel, in vielen Fällen lässt sich unsere Arbeit aber auch mobil mit Tablet, Handy, Internet und/oder Cloud erledigen. Und das zu jeder Tages- und Nachtzeit und von jedem Ort der Welt aus.

Begleitet werden diese vielfältigen Neuerungen durch eine völlig veränderte Arbeitskultur: Wer sich in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft behaupten will, der muss heute schneller und effektiver sein. Gleichzeitig sorgen neue Organisationskonzepte und flache Hierarchien für immer mehr Projekt- und Teamarbeit. Statt Tätigkeiten nach vorgegebenen Mustern auszuführen, stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei immer öfter vor der Aufgabe, mit maximaler Eigenmotivation und Verantwortung nach möglichst innovativen Lösungen für Projekte zu suchen.


Perspektive Neues Rathaus (HGW)

Herkömmliche Bürostrukturen mit abgetrennten Räumen sind für diese neuen Herausforderungen oft nicht ideal zugeschnitten. Gefragt ist vielmehr ein kreatives und maximal flexibles Arbeitsumfeld, das die Motivation und die Leistungsbereitschaft der einzelnen Mitarbeiter steigert und das gleichzeitig so attraktiv gestaltet ist, dass es möglichst auch als positives Argument bei der zunehmend schwierigen Suche nach Fachkräften punkten kann. Vorgefertigte Lösungen von der Stange kommen für diese vielfältigen Anforderungen naturgemäß nicht in Frage. Um das neue Bürokonzept möglichst individuell gestalten zu können, sollte die Planung deshalb möglichst schon im Rahmen der Projektvorbereitung beginnen. Nur so lassen sich maßgeschneiderte Konzepte für unterschiedlichste Auftraggeber von der Stadtbehörde bis zum Startup zu entwickeln.

„Die allgemeingültige Lösung von der Stange gibt es nicht. Um eine optimale Lösung zu entwickeln, ist es ratsam, vom individuellen Bedarf auszugehen.“


In einem ersten Schritt sollte zunächst eine genaue Analyse der vorhandenen bzw. beabsichtigten Arbeitsabläufe erfolgen. Erst wenn feststeht, was das Büro genau leisten soll, lässt sich ein individuell darauf abgestimmtes Raumprogramm erarbeiten und überlegen, wie sich der ermittelte Bedarf in Architektur interpretieren lässt. Handelt es sich zum Beispiel um ein modernes IT-Unternehmen, dann kommt durchaus ein Open Space Büro mit extrovertierter Arbeitsatmosphäre in Frage. Für stark abgegrenzte Sacharbeitertätigkeiten kann andererseits die klassische Zellenstruktur das beste Konzept sein. In der Regel geht es aber nicht um ein Entweder-Oder. Gefragt ist vielmehr eine individuell gewählte Kombination aus Zellen-, Kombi- und Open-Space-Büro, die einen jederzeitigen Wechsel zwischen kommunikativer Projektarbeit und konzentrierter Einzelarbeit erlaubt.

Je nach Bedarf sollten zusätzlich Konferenzzonen, Kaffeeecken sowie Räume zum Entspannen oder für sportliche Aktivität eingeplant werden. Vielfach unterschätzt wird außerdem die Bedeutung von informeller, also nicht vorgegebener Kommunikation. Explizit verordnen lässt sich solcher „Wissensaustausch“ nicht. Da er aber essentiell notwendig für den Erfolg eines Projektes ist, empfiehlt sich die Integration von Besprechungs- oder Teamräumen in unterschiedlichen Größen. Dazu sollten Raumeinheiten und Nischen geplant werden, die zum Verweilen einladen und Kommunikation durch zufällige Begegnung fördern.

Bei der Planung neuer Bürokonzepte und insbesondere bei der Umsetzung von neuen Bürostrukturen stößt man zu Beginn häufig auf große Bedenken der Nutzer. Ganz grundsätzlich sollten deshalb auch eben jene in die Planung mit eingebunden werden. In gemeinsam durchgeführten Gesprächen und Workshops und in enger Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Bauherrn lassen sich die genauen Erfordernisse ermitteln und darauf aufbauend individuelle Konzepte entwickeln, die neben der Grundrissstruktur und der Möblierung auch Faktoren wie Akustik, Beleuchtung und Belüftung berücksichtigen. Für einen realistischen Eindruck empfehlen sich Besichtigungen von Best-Practice-Beispielen. Im Zusammenspiel aller Beteiligten entstehen so maßgeschneiderte Lösungen, die spezifisch auf die jeweilige Arbeitsweise und Organisationsstruktur zugeschnitten sind und die gleichzeitig ausreichend Flexibilität für künftige Anpassungen bieten.

assmann-Projekte zum Thema
Mai 2018

Neubau des Rathauses in Schwelm

Derzeit sind die verschiedenen Fachbereiche der Stadtverwaltung in Schwelm auf mehrere Gebäude im Stadtgebiet verteilt. Der Betrieb der in die Jahre gekommenen Gebäude: Nachweislich unwirtschaftlich. Im Jahr 2016 wurde die assmann gruppe mit einer Machbarkeitsstudie und der Erstellung des Nutzerbedarfs beauftragt, die sich mit der Zentralisierung eben jener Fachbereiche beschäftigt. Nachdem der Bedarf fest stand wurde das Grundstück des „alten Brauereigeländes“ in Schwelm erworben und zeichnerisch und technisch mit den Anforderungen überein gebracht. Der Startschuss für den Neubau des Rathauses an eben jenem Standort fiel Ende 2017.

Neben den Räumen für die Stadtverwaltung sollen zusätzliche Flächen für eine Ladenpassage im Erdgeschoss vorgehalten werden. Die assmann gruppe wurde mit der Betreuung eines VGV-Verhandlungsverfahrens beauftragt um einen geeigneten Generalplaner für das Bauvorhaben zu finden. Im Wettbewerb konnte sich das Büro Heinle Wischer Gesellschaft für Generalplanung mbH durchsetzen. Grundsätzlich soll sich das modern interpretierte Gebäude angemessen in die vorhandene Blockrandbebauung einfinden. Es werden klassische Verwaltungsstrukturen durch Zellenbüros umgesetzt. In der Mitte des Grundrisses befinden sich relevante Nebenräume für die jeweiligen Fachbereiche.

Bauherr Stadt Schwelm
assmann Machbarkeitsstudie, Nutzerbedarfprogramm, Projektsteuerung
Architekt Heinle Wischer Generalplanungsgesellschaft mbH
Bild Heinle Wischer Generalplanungsgesellschaft mbH